Kurz gesagt
Allein fühlst du dich unbeobachtet. Dann lässt du los, was du tagsüber zusammengehalten hast, oft beim Essen. Zwei kleine Experimente helfen dir: laut aussprechen, was in dir vorgeht, und den Autopiloten nach der Arbeit früh unterbrechen.
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Wie stark steuert Stress dein Essverhalten – und was kostet dich das im Job und im Leben?Zum Selbsttest
Du parkst das Auto. Du gehst zur Haustür. Und plötzlich ist er da: ein riesiger Appetit. Ein Klient hat mir genau das erzählt: „Ich bin wirklich absolut erledigt, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme.“ Und gerade wenn er dann allein ist, isst er mehr, nascht mehr und holt sich noch mal was.
In dieser Folge der MittagsPAUSE geht es um Heißhunger nach der Arbeit und darum, warum du allein mehr isst als in Gesellschaft.
Warum esse ich allein mehr als in Gesellschaft?
Eine Klientin hat mir ein ähnliches Muster beschrieben. Wenn ihr Mann nicht da ist und sie nur mit den Kindern zu Hause ist, isst sie mehr.
Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass wir uns unbeobachtet fühlen. Kinder bewerten uns viel weniger als andere Erwachsene. Allein oder mit den Kindern fühlen wir uns sicher. Wir lassen uns gehen, lassen los und tun, was wir wirklich wollen. Für viele ist das abends: essen, sich was gönnen, naschen.
Warum reiße ich mich tagsüber beim Essen zusammen?
Tagsüber reißen sich viele stark zusammen. Beim Mittagessen holen sie eher eine kleine Portion. Oder sie holen sich keinen Nachschlag, obwohl sie den Drang spüren.
Der Grund: Andere sind da. Und im Kopf läuft die Frage: Was denken die über mich, wenn ich mir jetzt noch was hole? Diese Angst ist weg, wenn du allein bist.
Wo reiße ich mich sonst noch zusammen?
Das Essverhalten ist für mich nur ein Symptom. Es ist ein Ventil für etwas, das tiefer liegt. Mehr dazu findest du auf meiner Seite Emotionales Essen.
Wenn du dich beim Essen den ganzen Tag zusammenreißt, tust du das vielleicht auch an anderen Stellen. Frag dich ehrlich:
- Fällt es dir schwer, Nein zu sagen?
- Hältst du Kritik schlecht aus?
- Stehst du selten für deine Meinung ein?
- Behältst du Ideen für dich, weil du Angst vor kritischen Rückfragen hast?
So baust du über den Tag viel Anspannung auf. Die muss irgendwann raus. Abends kommt dann der Moment: Endlich Ruhe. Ist mir jetzt egal. Ich will einfach abschalten. Und das ist dann oft das Essen.
Woher kommt die Angst vor Bewertung?
Geh mal ein paar Jahre zurück. In die Jugend, in die Kindheit. Wie bist du aufgewachsen? Hat man dir Sicherheit gegeben? Durftest du deine Meinung sagen und für dich einstehen? Oder solltest du lieber ruhig und brav sein?
All das kann beeinflussen, wie du heute mit Dingen umgehst. Nimm das als erstes Experiment mit: Forsche, woher dein Zusammenreißen kommt.
Was hilft, wenn ich abends allein den Heißhunger spüre?
Das erste Experiment: Sprich abends laut aus, was wirklich in dir vorgeht. Ohne etwas verändern zu wollen.
Du sitzt vor zwei Tafeln Schokolade und willst sie essen. Dann sag es dir laut. Ganz ehrlich. Zum Beispiel: „Ich stopfe mich damit jetzt voll. Ich weiß, es hilft mir im Moment. Hinterher werde ich mich ärgern. Ich mache das, weil mir gerade nichts Besseres einfällt.“
Das würdest du vielleicht niemandem sagen. Nicht der besten Freundin, nicht dem Partner. Genau darum geht es. Vielleicht drückst du dich tagsüber nicht ehrlich aus. Du kannst dich auch vor den Spiegel stellen oder es als Audio aufnehmen.
Erwarte nicht, dass sich sofort etwas verändert. Wenn du die Schokolade dann isst, ist das in Ordnung. Aber beobachte, was danach in dir passiert. Oder am nächsten Tag.
Wie unterbreche ich den Ess-Autopiloten nach der Arbeit?
Unser Tag läuft oft automatisch ab. Auto parken, aussteigen, abschließen, Tür auf, Schlüssel weg, Jacke aus, was trinken. Und dann geht es wie von selbst zum Schrank, die Schokolade kommt raus.
Manche Klienten erzählen mir: Sie sehen sich dabei fast von außen zu. Sie wissen, eigentlich will ich das nicht. Und trotzdem können sie nicht eingreifen.
Darum hilft es, diese Kette früh zu unterbrechen. Und zwar mit etwas Ungewöhnlichem. Steig aus dem Auto und lauf dreimal links um das Auto herum. Mehr nicht. Dann gehst du in die Wohnung.
Das bringt dein Gedankensystem ein bisschen durcheinander. Vielleicht stehst du dann vor der Schokolade und fragst dich: Will ich die wirklich? Wie bin ich hier hingekommen? Was würde mir jetzt guttun?
Ist der Drang noch da, leg eine Stufe drauf: Du darfst die Schokolade essen. Aber vorher trinkst du einen Schluck Wasser. Alles, was wir oft genug tun, wird für unser Gehirn zur Gewohnheit. Manchmal müssen wir es ganz absichtlich verwirren.
Das kannst du heute Abend ausprobieren
Schau dir dein Muster nach einem langen Arbeitstag an. Wann kommt das Essen? Was ist dein üblicher Weg dorthin? Dann nimm dir vor: Ich verbiete mir nichts. Ich gehe nicht mit Disziplin und Kontrolle ran. Aber ich baue ein, zwei kleine Schritte ein, zum Beispiel dreimal um das Auto laufen oder laut aussprechen, was in mir los ist. Und dann beobachtest du ein paar Tage, was passiert. Du kannst dabei nicht scheitern. Es sind kleine Experimente.
„Ich glaube, es hängt damit zusammen, dass wir uns unbeobachtet fühlen.“
Häufige Fragen
Warum habe ich Heißhunger, sobald ich nach der Arbeit allein zu Hause bin?
Allein fühlst du dich unbeobachtet und sicher. Dann lässt du die Anspannung los, die du tagsüber zusammengehalten hast, und das zeigt sich oft beim Essen.
Warum esse ich in Gesellschaft weniger als allein?
Vor anderen reißen sich viele zusammen, weil sie sich fragen, was die anderen über sie denken. Diese Sorge fällt weg, wenn niemand zuschaut.
Wie unterbreche ich das automatische Essen nach Feierabend?
Bau früh einen ungewöhnlichen Schritt ein, zum Beispiel dreimal um das Auto laufen oder vor der Schokolade erst einen Schluck Wasser trinken. Das bringt dir mehr Bewusstheit, ohne dass du dir etwas verbietest.